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Das heutige Rentensystem: Eine Fehlkonstruktion
"Wer weiß, wie dem demographischen Wandel erfolgreich zu
begegnen ist, den beglückwünsche ich.“
(Bundeskanzlerin Angela Merkel, 21.08.2006)
Unser Rentenversicherungssystem ist in vielerlei Hinsicht eine Fehlkonstruktion. Die wichtigsten:
- Finanzieller Kollaps durch ein extremes Defizit (Ausgaben sind weit höher als die Einnahmen)
- Eigene Vorsorge ist für diejenigen unmöglich, die sie am dringendsten brauchen
- Sinkende Geburtenrate kann die steigende Rentnerzahl nicht auffangen
- Auseinanderreißen zwischen Arm und Reich zerreißt die Gesellschaft
1. Kollaps durch extremes Defizit
Das heutige Rentensystem kann nicht einmal die heutigen Niedrigrenten finanzieren.
Laut Rentenversicherungsbericht 2006 des Deutschen Bundestags (Drucksache 16/3700, Übersicht 14, Seite 73) erhielten die 20 Mio. Rentner im Jahr 2005 insgesamt 212 Mrd. € Rente. Der Rentenversiche- rungsbericht nennt auf Seite 72 insgesamt 169 Mrd. € Beitragseinnahmen, die die Arbeitnehmer in die Rentenkasse einzahlten. Mit weiteren 24 Mrd. € für die Krankenversicherung der Rentner, Verwaltungskosten, etc. summierten sich die Ausgaben auf rd. 236 Mrd. €.
Macht lt. Rentenversicherungsbericht des Deutschen Bundestags ein Defizit von 65 Mrd. € allein im Jahr 2005, das als "Bundeszuschuß" aus Steuermitteln ausgeglichen werden muß. Wikipedia und Medienberichte sprechen sogar von 78 Mrd. € Bundeszuschuß.
Aufgrund der steigenden Rentnerzahl, der sinkenden Zahl der Beitragszahler und der sinkenden Löhne hat das Bundesfinanzministerium für das Jahr 2050 (das die meisten Menschen der Jahrgänge ab 1960 erleben werden) einen Bundeszuschuß in Höhe von 80% des Bundeshaushalts errechnet - was völlig unfinanzierbar ist. Das System wird also schon allein aus diesem Grund lange vorher kollabiert sein.
2. Die Unmöglichkeit der Eigenverantwortung: Die Riester-Rente
Die Regierungsparteien verwalten das System. Sie kennen alle Zahlen, alle Faktoren und alle Trends. Legionen von Beratern haben für sie das Problem analysiert. Das Problem ist also bekannt. Da jedoch niemand eine Lösung hat, entschloß man sich, die Schuld an der sicheren Altersarmut (siehe z.B. Der Spiegel Nr. 7/2008: "Die Hungerrentner von morgen") auf die Bürger abzuwälzen: Mit der sinnlosen Riester-Rente.
Die Einkommen der meisten Arbeitnehmer sind viel zu niedrig, als daß sie für ihr Alter zusätzlich sparen könnten. In den meisten Fällen werden die ausgezahlten Riesterrenten (auf die heitige Kaufkraft umgechnet) bei unter 100€ liegen. Beklagen sich die Menschen über ihre lächerlich niedrigen Renten, werden die Regierungsparteien sagen: "Pech gehabt. Da hätten sie eben selbst noch mehr vorsorgen sollen." Aber wovon? Und warum eigentlich? Auch unter diesem Aspekt ist unser Rentensystem eine Fehlkonstruktion.
3. Kollaps durch eine 3-fache Zwickmühle: Der "demographische Faktor"
(sinkende Geburtenzahlen, steigende Rentnerzahlen)
In die Rentenkasse zahlen nur die sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten nennenswerte Beträge ein (Teilzeitjobs zahlen so wenig in die Rentenkasse, daß sie vernachlässigbar sind).
2008 zahlen ca. 25 Mio. sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte Rentenbeiträge, die an 20 Mio. Rentner ausbezahlt werden. Anders ausgedrückt: Auf 5 Arbeitnehmer kommen rd. 4 Rentner. Oder: Das Geld, das einem Durchschnittsarbeitnehmer vom Lohn abgezogen wird, soll 80% einer Durchschnittsrente ausmachen. Das genügt bereits heute nicht einmal zur Deckung der viel zu niedrigen Renten, so daß der Bundeszuschuß die Lücke schließen muß.
Und diese Lücke wird immer größer. Die Geburtenratensind viel zu niedrig - auf 6 Erwachsene kommen 4 Kinder. Von diesen 4 Kindern werden bestenfalls 2 mit einem sozialversicherungspflichtigen Job die 6 Rentner finanzieren.
Die Zahl der Rentner steigt dramatisch. Einerseits durch die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er- und 1960er-Jahre, andererseits durch die steigende Lebenserwartung. Auf der anderen Seite sinkt die Dauer des Erwerbslebens durch Arbeitslosigkeit, Frühverrentung etc. immer weiter. Das Verhältnis von Rentenbeitragszahlungsdauer und Rentenbezugsdauer verschlechtert sich also weiter.
Zusätzlich sinken die Gehälter - und damit auch die Beitragszahlungen (siehe z.B. Einnahmestatistik der Rentenversicherung, in der trotz zusätzlicher Arbeitsplätze die Einnahmen sinken).
Auf der Suche nach einer Lösung befinden sich die Regierungsparteien in einer 3-fachen Zwickmühle:
- Je weiter sie die Zwangsbeiträge der Rentenversicherung erhöhen, desto weniger lohnt sich Arbeit.
- Je stärker sie den steuerfinanzierten Bundeszuschuß erhöhen, desto eher ist der Staat bankrott.
- Je weniger sie die Beiträge und den Bundeszuschuß erhöhen, desto stärker sinkt die Rente.
4. Gesellschaftlicher Kollaps durch Massenarmut
Nach 32 Jahren Beitragzahlungen erreicht ein Durchschnittsverdiener gerade mal eine Rente auf Sozialhilfeniveau.
Einem System, das immer mehr Armut produziert, kündigen logischerweise immer mehr Menschen die Gefolgschaft. In den USA, deren gesellschaftlicher und Wirtschaftlicher Entwicklung Deutschland stets folgt, läßt sich Deutschlands nähere Zukunft erahnen. Gegenwärtig schaffen die Regierungsparteien durch Hartz IV-"Fordern" - also den existentiellen Druck auf Arbeitslose, jeden noch so miserablen Job anzunehmen, eine Schicht der "working poor", die von ihrer Arbeit nicht leben können. Im Mai 2007 haben bereits 1,3 Mio. arbeitende Menschen Hartz IV beantragt, weil ihr Lohn sogar noch darunter lag. Die Zahl der Working Poor wird immer größer.
Als Konsequenz ergibt sich eine gewaltige Massenarmut bei Rentnern. Wie in den USA (in denen fast 2% der Bevölkerung im Gefängnis sitzen) wird es eine erheblich steigende Überlebenskriminalität auch bei Rentnern geben. Noch sind Banküberfälle durch Rentner eine Kuriosität. Es ist nur ein Frage der Zeit, bis die Not der Rentner so groß wird, daß der Schritt in die Kriminalität naheliegt. Wir werden das "fringsen" wieder erleben. In der Nachkriegszeit legitimierte Kardinal Frings die Überlebenskriminalität. Im heutigen Frankreich - das die gleichen Probleme wie Deutschland hat - legitimierten mehrere Bischöfe den Diebstahl von Lebensmitteln durch Arme.
Wer sich heute noch nicht vorstellen kann, wie bitter die Zukunft für die meisten Rentner wird, hat offensichtlich keinen Kontakt zur Wirklichkeit. Die steigende Altersarmut ist eine Zeitbombe, die schleichend, aber mit enormer Wut explodiert. Die Frage ist nicht ob, sondern wie der Krieg der Generationen kommt.