Die Möglichkeiten des Geldes
Unser Leben ist geprägt von Geld. Geld ist das Blut der
Wirtschaft. Bezeichnenderweise lernt man
in der Schule nichts über Entstehung, Wesen, Funktionen,
Möglichkeiten und Probleme unseres Geldsystems.
Was ist Geld?
Jeder weiß, daß Geld ein Tauschmittel ist, das wir
gegen Waren eintauschen können. Den meisten Menschen ist auch
bewußt, daß Geld ein Aufbewahrungsmittel
für einen Anspruch auf künftige Gegenleistungen ist.
Einfacher ausgedrückt: Ich kann heute etwas sparen und morgen
etwas dafür kaufen.
Geld ist aber auch eine
Vereinbarung,
die auf
Vertrauen
basiert.
Als
Russland in den 1990er-Jahren versuchte, seine Finanznöte zu
verringern, indem man massenhaft Rubel druckte, stürzte der
Wert des Rubels ins Bodenlose. Die USA "drucken" ebenfalls massenhaft
von ihrer
Währung. Mehrere Billionen $ kommen zusätzlich auf
die Welt - ohne jeden Gegenwert. Und der Dollarkurs sinkt nicht. Wenn
zwei das gleiche tun,
ist das auch in diesem Fall nicht dasselbe. Der Unterschied liegt
einerseits im Vertrauen. Russland vertraute man nicht, den USA hingegen
schon. Der andere Grund ist das "too big to fail" (zu groß,
um zu versagen).
Prof. Noriko Hama von der Universität Kyoto
erklärte zum Wert des US$ in der SZ vom 25.09.2007:
"
Das
Festhalten am Dollar ist eher eine Frage des
"too big to fail". Wenn der Dollar fällt, sinkt auch das
Vermögen
derer, die ihn halten. Niemand will deshalb in dieser Situation sagen,
der
Kaiser habe keine Kleider. Wenn die Probleme offen angesprochen werden,
kann
das ganze System einbrechen."
Warum der US-$ eigentlich fast wertlos ist, lesen Sie
hier
Die Banken- und Kreditkrise 2008 demonstrierte vielen Menschen
erstmalig, daß sie selbst vom Vertrauensverlust in das
Geldsystem betroffen sind. Wenn das Vertrauen der Menschen in den Wert
von Geld schwindet (wenn also die Menschen dem bedruckten
Stück Papier oder einem runden Metallgegenstand nicht mehr
zutrauen, daß sie dafür jederzeit Waren erhalten),
dann bricht unser gesamtes Wirtschafts-Kartenhaus zusammen. Seit
der Banken- und Kreditkrise 2008 bestreitet das kein
ernstzunehmender Mensch mehr.
Wie entsteht Geld?
Die meisten Menschen glauben, daß Geld
ausschließlich in Zentralbanken entsteht. Geldscheine werden
gedruckt und an Banken verliehen, die es an ihre Kunden weiter
verleihen/ausbezahlen. Zudem geben Zentralbanken "Buchgeld" / "
Giralgeld"
für Girokonten heraus. Hier wird es schon interessanter: Im
Computer einer Zentralbank gibt jemand eine Zahl ein, und aus dem
Nichts werden einige Bits und Bytes zu Geld (siehe z.B.
"Milliarden
per Knopfdruck", SZ 18.09.2008).
Wie absurd unser Geldsystem ist, erklärt z.B.
Raymund
Brichta von der ntv-Telebörse in seinem
äußerst
lesenswerten Artikel "
Beim
Geld geht es um die Wurst".
Eine detaillierter Erläuterung mit dem Titel "
Warum
die Bankenkrise eine Krise der Geldordnung ist" bietet dieses
Video
von Nicolas Hofer.
Sehr
sehenswert!