Außenpolitik bisher:
Nichts als Fototermine


Verantwortlich ist man nicht nur für das,
was man tut,
sondern auch für das,
was man nicht tut.
(Laotse)

Regierungschefs treten zum Gruppenfoto vor die Kameras der Weltpresse. Öffentliches Händeschütteln, Absichtserklärungen - das nennt sich Außenpolitik. Oder gar Weltpolitik.

Deutschland befindet sich auf den ersten Blick in einer höchst komfortablen außenpolitischen Situation, denn wir sind umgeben von problemlosen Nachbarn. Mal eben zu Fototerminen nach Paris, London oder Warschau zu fliegen, ist nun wirklich keine Herausforderung.

Das Fest des Friedens in der Schurken-Diktatur

Ganz anders sieht es bei den massiven weltweiten Problemen aus, die uns als Teil der menschlichen Zivilisation sehr wohl betreffen.

So wie z.B. der Völkermord in Ruanda. 800.000 Menschen wurden abgeschlachtet - Deutschland unternimmt nichts. Oder der Völkermord in Darfur. Bisher über 400.000 Tote - die Bundesregierung schaut zu. Ob die Unterdrückung Tibets durch China, der Krieg der Serben gegen seine Nachbarn, der Aufstand in Burma - Deutschland schaut tatenlos zu. Wirtschaftssanktionen gegen die Mullah-Diktatur im Iran? Kritik an Russland wegen der Rückkehr zur Diktatur? Für Deutschland kein Thema, weil Exportprofite gefährdet sein könnten.

Was haben die Außenminister Kinkel, Fischer und Steinmeiner bzw. die Kanzler Kohl, Schröder und Merkel erreicht, was nicht selbstverständlich gewesen bzw. auch ohne ihre Beteiligung ohnehin geschehen wäre?
Wenn wir mal ganz ehrlich sind: Nichts Nennenswertes - seit den 70er-Jahren (Entspannungspolitik der Ära Brandt/Genscher).

DDR-Bürger + Gorbatschow = Wiedervereinigung


War die Wiedervereinigung Deutschlands ein Ergebnis der Außenpolitik unter Kanzler Kohl?
Nein. Auch wenn CDU-Anhänger dies gern so sehen wollen, war die Wiedervereinigung das zwangsläufige Ergebnis der Courage der DDR-Bürger, die durch ihre Massenflucht in die Prager BRD-Botschaft den Stein ins Rollen brachten.

Dieser Stein wurde durch die mutigen Montagsdemonstrationen der DDR-Bürger zu einer Lawine, in der die Trennung Deutschlands nicht mehr ohne militärische Gewalt aufrechtzuerhalten war.

Es war allein Michail Gorbatschow, der diese Gewalt verhinderte und die Wiedervereinigung ermöglichte.

Bundeskanzler Kohl mußte dieses Geschenk nur noch annehmen - was lt. Grundgesetz die Pflicht eines jeden Bundeskanzlers ist. Salopp gesagt: Kein Politiker außer Michail Gorbatschow hätte die Wiedervereinigung verhindern können - und deutsche Politiker schon gar nicht.

Fototermine und Appelle


Typische deutsche Außenpolitik sieht so aus, daß man bedeutungsschwangere Fototermine mit fruchtlosen Appellen krönt.

So wie z.B. Kanzlerin Merkels Nahost-Besuch zu Beginn ihrer Amtszeit, wo sie einen Waffenstillstand zwischen Palestinenstern und Israelis "erreichte". Ab dem nächsten Tag wurde weitergeschossen.

Bisheriger Höhepunkt der Illusion einer Außenpolitik war der G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. Kanzlerin Merkel schüttelt Hände, lächelt in die Kameras und erklärt dies zum großen Erfolg.

Wenn man den Erfolg jedoch nicht an unverbindlichen Absichtserklärungen, sondern an Taten und Ergebnissen mißt, ist festzustellen, daß sich die Situation auf allem außenpolitischen Problemfeldern (u.a. Armut in Afrika, 
Finanzmarktspekulationen, Klimawandel, Wettrüsten) nach jedem Fototermin immer weiter verschlechtert...

Wie läßt sich das ändern?