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Die 5 Haupt-Ursachen der Arbeitslosigkeit
Die offiziell von den Regierungsparteien anerkannte Arbeitslosigkeit steigt langfristig unaufhaltsam weiter:

Quelle: Bundesministerium für Arbeitslosigkeit und Sozialabbau
In wellenartigen Stufen steigt der Sockel der Arbeitslosigkeit immer weiter an, verharrt einige Zeit auf ähnlichem Niveau und sinkt kurzzeitig jedes Mal ein wenig (wie z.B. 2006/2007), um anschließend weiter zu steigen. Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (inclusive der Arbeitslosen, die nicht mitgezählt werden) liegt weit darüber.
Betrachten wir einmal das ganz große Bild. Langfristig und weltweit betrachtet gibt es dafür 5 Ursachen (die sich teilweise überschneiden):
Ursache Nr. 1: Kostendruck durch den Wettbewerb in einer ungezügelten Marktwirtschaft
Sämtliche Unternehmen der weltweiten Marktwirtschaft können nur überleben, wenn sie genügend ihrer Produkte verkaufen können. Dabei müssen sie Preise erzielen, die zumindest kostendeckend sind. Da die meisten Produkte in einem harten Wettbewerb stehen, sind am Markt nur relativ niedrige Preise durchsetzbar. Folglich sind die Unternehmen gezwungen, die Kosten auf das geringstmögliche Maß zu senken.
Die größten Kostenfaktoren sind die Lohnkosten der Angestellten. Also haben Unternehmen in unserem heutigen System überhaupt keine andere Wahl, als so wenig Menschen wie möglich zu beschäftigen und die Löhne der Übrigen so weit zu drücken, wie es das Überangebot an Arbeitsuchenden und der Gesetzgeber zulassen.
Ursache Nr. 2: Automation
Die Produktionstechnologie wird vor allem seit dem Beginn des Siegeszugs der Computer in den 1970er-Jahren immer leistungsfähiger und immer billiger. Der ewige betriebswirtschaftliche Zwang zur Kostensenkung (siehe Ursache Nr. 1) treibt den Erfindungsreichtum der Rationalisierer immer weiter an. Immer kompliziertere menschliche Arbeit kann (bei oftmals höherer Qualität) durch Maschinen / Roboter / Computer kostengünstiger ersetzt werden – sogar in Niedriglohnländern.
Der Wettbewerb zwingt die Unternehmen, den Rationalisierungswettlauf immer weiter fortzuführen. Ergebnis: Immer mehr Menschen werden produktionstechnisch überflüssig – auch in Bürojobs und bei Dienstleistungen (siehe u.a. Entlassungen bei Banken, Versicherungen und Telekommunikationsdienstleistern). Siehe auch Interview mit Jeremy Rifkin in der Stuttgarter Zeitung.
Ursache Nr. 3: Ewige Produktivitätssteigerungen
Die Steigerung der Produktivität ist eine Folge von Automation (siehe Ursache Nr. 2) und Rationalisierungen der Produktionsprozesse. Sie bedeutet, daß pro Arbeitnehmer immer mehr Güter/Leistungen produziert werden. Daraus folgt gleichzeitig, daß zur Produktion einer bestimmten Menge Güter/Leistungen immer weniger Menschen erforderlich sind.
Während z.B. die weltweite Industrieproduktion von 1995 bis 2002 um 30% stieg, wurden 11% aller Industriearbeitsplätze überflüssig. Im Jahr 2003 waren in Deutschland 9 Arbeiter so produktiv wie 10 Arbeiter nur 2 (!) Jahre zuvor. 1991 war für 45% aller Deutschen die Erwerbsarbeit die wichtigste Einkommensquelle. Bereits 2002 waren es lt. Statistischem Bundesamt nur noch 40%. 2005 ernährten nur noch rd. 32% Erwerbstätige die übrigen 68% der Bevölkerung.
Dieser Trend läuft weiter, so lange es den technischen Fortschritt gibt – also immer. Mit Produktivitätsstei- gerungen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen ist ebenso kontraproduktiv wie ein Feuer mit Benzin zu löschen.
Ursache Nr. 4: Ewiger Globaler Wettbewerb bei Lohn, Bildung und Produktivität
Arbeitnehmer aus Niedriglohnländern (hauptsächlich Asien) sind weitaus billiger als z.B. Westeuropäer. Der Lohnabstand bleibt mittelfristig gewaltig, weil dort hunderte Millionen Arbeitsuchende nachdrängen. Für das Jahr 2025 erwartet die UNO zudem rd. 1,4 Mrd. zusätzliche Erdenbürger. Dann werden global rd. 6 Mrd. Erwerbsfähige gegenseitig ihre Löhne unterbieten müssen, um irgendwie zu überleben.
Selbst wenn langfristig die Prognose der Experten eintritt, daß in den Niedriglohnländern die Löhne etwas steigen, kann dies nicht ausreichen, um das Lohngefälle zu Industrienationen wie Deutschland nennenswert zu verringern. Zudem schlägt die andere Seite dieser Zwickmühle zu: Je höher die Löhne steigen, desto stärker sind z.B. die chinesischen und indischen Unternehmen gezwungen (ebenso wie seit den 1960er-Jahren die Japaner und seit wenigen Jahren die Osteuropäer), auf hochwertige Produkte umzusteigen und den Industrienationen auf ihren existentiell wichtigsten Märkten Konkurrenz zu machen – bei ähnlicher Qualität zu wesentlich niedrigeren Preisen.
Der globale Bildungswettbewerb führt auch zu immer mehr hochqualifizierten Arbeitnehmern in Niedriglohnländern. Deren steigende Qualifikation baut den Wissensvorsprung der Industrienationen immer weiter ab, so daß unsere Existenzgrundlage schwindet. Es ist für die Arbeitnehmer der bisherigen Industrienationen unmöglich, einen ausreichenden Bildungs- und Produktivitätsvorsprung zu wahren.
Ursache Nr. 5: Das „Mismatch“ zwischen Bedarf und Qualifikation
So lange der technische Fortschritt nicht stehen bleibt, wandelt sich die Arbeitswelt – also immer. Alte Berufe/Aufgaben fallen weg, neue entstehen. Die neuen Berufe/Jobs sind jedoch nicht nur zahlenmäßig weitaus weniger als die alten – sie stellen auch immer höhere Anforderungen. Deshalb haben immer mehr Arbeitswillige mit veralteten/unerwünschten Eigenschaften (Qualifikation, Alter, etc.) trotz offener Stellen keine Chance mehr am Arbeitsmarkt. Auch der Qualifikationswettbewerb verschärft sich parallel zum technologischen Fortschritt. Die ewig steigenden Anforderungen haben zur Folge, daß immer mehr Tätigkeiten für durchschnittlich begabte Menschen unerreichbar sind.
Alle bisherigen Rezepte zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit können also nicht funktionieren. Statt also wie bisher mit Druck auf Arbeitslose, Niedriglöhnen und familienfeindlichen Arbeitszeiten sinnlos an den Symptomen herumzubasteln, muß man die Ursachen der Arbeitslosigkeit beseitigen. Wie das möglich ist, lesen Sie hier.